Versicherungs-Chinesisch endlich verständlich


Zusammengestellt von Rita Lansch, aktualisiert von Steffen Weyer, Susanne Schier und Herbert Fromme


Ablaufleistung

Die Ablaufleistung ist die Leistung, die der Versicherer dem Versicherungsnehmer zum Vertragsende ausbezahlt. Relevant ist diese vor allem in der Lebensversicherung. Sie setzt sich in der Regel aus garantierten Leistungen und zusätzlichen Überschüssen zusammen.

Abschlusskosten

Unter die Abschlusskosten fallen die Provisionen für Vertreter und Makler, aber auch die Kosten der Antragsbearbeitung. Gesellschaften mit Direktvertrieb über das Internet haben in der Regel niedrige Abschlusskosten. Doch Vorsicht: Sie haben dafür oft einen höheren Werbeaufwand. Dieser fließt in die allgemeinen Verwaltungskosten ein.

Abwicklungsergebnis

Hat der Versicherer für einen Schaden eine höhere Summe zurückgestellt, als am Ende nötig war, entsteht ein Abwicklungsgewinn – umgekehrt ein Abwicklungsverlust. Die Abwicklungsquote (Run-off Ratio) wird als Abwicklungsergebnis in Prozent der verdienten Beiträge berechnet.

Aufwand-Ertrag-Verhältnis

Das Aufwand-Ertrag-Verhältnis gibt das Verhältnis von operativen Aufwendungen zu operativen Erträgen an. Es ist meist auch unter dem englischen Begriff Cost-Income-Ratio (CIR) bekannt.

Bewertungsreserven

Bewertungsreserven, früher gern stille Reserven genannt, sind die nicht aus der Bilanz nach deutschem HGB-Standard ersichtlichen Teile des Eigenkapitals. Sie entstehen, wenn die tatsächlichen Marktwerte von Kapitalanlagen über die Buchwerte in der Bilanz steigen.

Deckungsrückstellung

Die Deckungsrückstellung ist eine finanzielle Verpflichtung, die ein Versicherer bilanzieren muss, um künftige Leistungen aus langfristigen Verträgen – vor allem in der Lebens- oder Krankenversicherung – zu garantieren. Nach deutscher Rechnungslegung nach Handelsgesetzbuch (HGB) ist die Deckungsrückstellung eine konservativ bewertete, gesetzlich normierte Verpflichtung des Versicherers, die auf festgelegten Rechnungsgrundlagen wie Rechnungszins und Sterbetafeln beruht und dem Gläubigerschutz dient. Nach internationaler Rechnungslegung nach IFRS 17 werden Versicherungsverpflichtungen als Barwert erwarteter künftiger Cashflows unter Einrechnung der Prämienzahlungen der Kunden bewertet und um eine vertragliche Servicemarge (CSM) ergänzt.

Deckungssumme

Die Deckungssumme ist der maximale Betrag, den die Versicherung im Schadenfall erstattet.

Direktgutschrift

Bei der Direktgutschrift wird den Versicherungsverträgen die Beteiligung an den Überschüssen zeitnah zu dem Jahr gutgeschrieben, in dem sie entstanden sind.

Eigenkapitalrendite (Return on Equity, RoE)

Die Eigenkapitalrendite berechnet sich aus dem Verhältnis des auf die Anteilseigner entfallenden Jahresüberschusses zum durchschnittlichen auf die Anteilseigner entfallenden Eigenkapital.

Einmalbeitrag

Einmalbeitrag bedeutet, dass der Kunde den Beitrag für die gesamte Versicherungsdauer im Voraus bezahlt. Das ist vor allem in der Lebensversicherung ein Thema: Entweder wird der Einmalbeitrag für eine Privatrente verwendet, oder er ist zeitlich begrenzt und ähnelt einer Anlage bei einer Bank.

Elementargefahren

Elementargefahren sind Naturereignisse wie Hochwasser, Rückstau, Überschwemmungen, Erdbeben oder Lawinen. Diese Gefahren müssen in der Hausrat- und Wohngebäudeversicherung über einen Zusatzbaustein versichert werden. Dieser wird von den Versicherern mittlerweile häufig automatisch mit angeboten.

Ergebnis je Aktie (Earnings per Share, EPS)

Das Ergebnis je Aktie ergibt sich aus dem auf die Anteilseigner entfallenden Jahresüberschuss zu der gewichteten durchschnittlichen Zahl der im Umlauf befindlichen Aktien.

Erst- und Rückversicherer

Der Erstversicherer steht in einem Vertragsverhältnis mit dem Versicherungsnehmer, meist Privatpersonen oder Firmen. Rückversicherer versichern die Erstversicherer. Ohne sie könnten Großrisiken wie Naturkatastrophen häufig nicht versichert werden. Sie beteiligen sich weltweit an ähnlichen Risiken, um einen möglichst breiten Ausgleich zu erreichen. Gelegentlich verschwimmen die Grenzen zwischen Erst- und Rückversicherung: Rückversicherer decken zum Beispiel auch Risiken von Industriekonzernen ab, die diese über eigene Versicherungstöchter (Captives) platzieren.

Frequenzschäden

Als Frequenzschäden werden Schäden bezeichnet, denen Risiken mit relativ hohen Eintrittswahrscheinlichkeiten und vergleichsweise geringen Schadenhöhen zugrunde liegen.

Höchstrechnungszins

Der Höchstrechnungszins ist der maximal zulässige Zinssatz, den Versicherer bei der Berechnung ihrer langfristigen Verpflichtungen und Prämien anwenden dürfen. Er wird vom Bundesfinanzministerium auf Empfehlung der Deutschen Aktuarvereinigung und nach Anhörung der Finanzaufsicht Bafin festgelegt. Er ist die Obergrenze für den Garantiezins, den Versicherer ihren Kundinnen und Kunden bei Abschluss einer Lebens- oder Rentenversicherung garantieren dürfen.

IFRS 17 

Bei IFRS 17 handelt es sich um einen neuen Rechnungslegungsstandard für Erst- und Rückversicherer. Er ist zum 1. Januar 2023 in Kraft getreten und soll die Vermögens­-, Finanz-­ und Ertragslage von Versicherungs­unternehmen besser darstellen und ihre Abschlüsse besser vergleichbar machen. Mit ihm wurden auch neue Kenngrößen eingeführt, darunter der Versicherungsumsatz (bei Rückversicherern Rückversicherungsumsatz) und die vertragliche Servicemarge (Contractual Service Margin (CSM)). Für börsennotierte Versicherer ist die Rechnungslegung nach IFRS 17 verpflichtend.

Katastrophenanleihen (Cat Bonds)

Katastrophenanleihen sind verbriefte Versicherungsrisiken, bei denen die Zahlung von Zinsen und die Rückzahlung des Kapitals vom Eintritt und der Schwere eines vordefinierten Versicherungsfalles abhängt. Käufer einer Katastrophenanleihe übernehmen beim Eintritt der Katastrophe das Risiko des Versicherers beziehungsweise Rückversicherers. Wenn es einen Schaden gibt, zum Beispiel einen Hurrikan, können die Anleger ihr eingesetztes Kapital verlieren. Wenn nicht, erhalten sie sehr hohe Zinsen und die Rückzahlung des Kapitals.

Kostenquote (Expense Ratio, ER)

Die Kostenquote gibt das Verhältnis von Abschluss- und Verwaltungsaufwendungen zu den verdienten Prämien an.

Kumulschaden

Ein Kumulschaden ist die Summe von mehreren einzelnen, bei verschiedenen Versicherungsnehmern eingetretenen Schäden, die durch das gleiche Ereignis verursacht wurden. Das kann bei einem Versicherer oder insbesondere Rückversicherer zu einer hohen Belastung führen.

Langlebigkeitsrisiko

Das Langlebigkeitsrisiko ist das Risiko, dass die versicherte Person länger lebt als vom Versicherer erwartet. Relevant vor allem bei Rentenversicherungen und Pensionsverpflichtungen, indirekt auch bei der privaten Krankenversicherung.

Neugeschäftswert (Value of New Business)

Der Neugeschäftswert ist der heutige Wert der erwarteten Gewinne nach Kosten und Kapitalanforderungen, die ein Versicherungsunternehmen aus den Verträgen zieht, die in einem bestimmten Zeitraum neu abgeschlossen wurden.

Neuwertversicherung

Eine Neuwertversicherung erstattet im Schadenfall den Betrag, der aktuell nötig ist, um eine beschädigte oder zerstörte Sache durch eine gleichwertige Sache neu zu erwerben – ohne Berücksichtigung von Alter und Abnutzung.

Rentenfaktor

Bei Fondspolicen ist die Rente von der Höhe des Fondsguthabens abhängig. Die auszuzahlende Rentenhöhe wird meist pro 10.000 Euro Fondsguthaben mithilfe eines Rentenfaktors errechnet.

Rohüberschuss

Der Rohüberschuss ist der gesamte in der Lebensversicherung zur Verteilung anstehende Gewinn. Er errechnet sich aus der Direktgutschrift plus der Zuführung zur Rückstellung für Beitragsrückerstattung plus dem Jahresüberschuss.

Rückstellungen für Beitragsrückerstattung (RfB)

Die RfB ist der Teil des Überschusses, der künftig an Versicherungskunden ausgeschüttet wird, und zwar aufgrund gesetzlicher, satzungsgemäßer beziehungsweise vertraglicher Verpflichtungen oder auf freiwilliger Basis.

Schaden-Kosten-Quote (Combined Ratio, CR)

Die Schaden-Kosten-Quote misst das Verhältnis von Schadenaufwendungen (Versicherungsleistungen) und Betriebskosten (Verwaltung, Abschlusskosten) zu den verdienten Prämieneinnahmen. Bei der Rechnungslegung nach IFRS 17 werden sie stattdessen ins Verhältnis zum Versicherungsumsatz gesetzt.

Schadenquote (Loss Ratio, LR)

Die Schadenquote gibt das Verhältnis der Schadenaufwendungen im Verhältnis zu den verdienten Versicherungsprämien an.

Selbstbehalt

Der Selbstbehalt ist der Betrag, den der Versicherungsnehmer im Schadenfall selbst bezahlt, bevor der Versicherer den Rest übernimmt.

Solvenzquote (SCR-Quote)

Die Solvenzquote ergibt sich aus dem Verhältnis von vorhandenen Eigenmitteln zum erforderlichen Kapital, der Solvenzkapitalanforderung SCR.

Überschussbeteiligung

Bei langfristigen Verträgen wie Lebens- oder Rentenversicherungen müssen Versicherer die Versicherten an finanziellen Überschüssen beteiligen. Diese Überschüsse entstehen, wenn der Versicherer besser wirtschaftet als geplant.

Underwriting

Mit Underwriting ist die Prüfung und Einschätzung von (Rück-)Versicherungsrisiken gemeint, um eine angemessene Prämie für das jeweilige Risiko festsetzen zu können.

Versicherungsleistung

Die Versicherungsleistung umfasst die vertraglich zugesicherte Entschädigung im Schadenfall. Es kann sich dabei um Geld-, Sach- und Dienstleistungen handeln.

Versicherungsprämie

Die Versicherungsprämie ist das vereinbarte Entgelt, das der Versicherungsnehmer für den Versicherungsschutz bezahlt. Die gebuchte Prämie umfasst alle in einem Jahr eingenommen Beiträge. Die verdiente Prämie ist der Teil der Beiträge, der dem jeweiligen Geschäftsjahr tatsächlich zuzuordnen ist, auch wenn sie noch nicht gezahlt wurde.

Versicherungstechnisches Ergebnis

Das versicherungstechnische Ergebnis ist der Saldo aus Erträgen und Aufwendungen, die dem Versicherungsgeschäft zugeordnet sind. Nicht darunter fallen beispielsweise die Erträge und Aufwendungen aus den Kapitalanlagen.

Versicherungsumsatz (Insurance Revenue)

Der Versicherungsumsatz ist eine im Zuge von IFRS 17 neu eingeführte Kenngröße, die an die Stelle der Bruttobeiträge tritt. Sie umfasst die Vergütung für im Berichtszeitraum erbrachte versicherungsartige Dienstleistungen für den Versicherungsnehmer. Nicht im Versicherungsumsatz enthalten sind zum Beispiel die Sparanteile von Lebensversicherungsverträgen. Er fällt also niedriger aus als die Bruttobeiträge.

Vertragliche Servicemarge (Contractual Service Margin, CSM)

Die vertragliche Servicemarge umfasst den noch nicht realisierten künftigen Gewinn aus einem Versicherungsvertrag, der erst im Laufe der Zeit als Ertrag erfasst wird. Sie ist vergleichbar mit einem Gewinnpuffer. Bei der Servicemarge handelt es sich entgegen dem Namen um eine Geldsumme, nicht um einen Prozentwert.

Verwaltungskosten

Unter die Verwaltungskosten fallen alle im Zusammenhang mit dem Betrieb einer Versicherung anfallenden Kosten, wie etwa Kosten für IT, Personal, Werbung und Büromaterial.

Stand: Mai 2026