Die wichtigsten Fachbegriffe

Zusammengestellt von Rita Lansch

Prämie, Beitrag Preis für eine Versicherung

Prämien- oder
Beitragseinnahme;
brutto oder netto
Die gesamte Beitragseinnahme gilt als Umsatz eines Versicherers (brutto/netto = vor/ nach Abzug der  Aufwendungen für die Rückversicherung). f.e.R. = für eigene Rechnung, d.h. nach Verrechnung der Rückversicherung.

Verdiente
Beiträge
Versicherungspolicen laufen nicht zwingend von Januar bis Dezember. Die über hängenden Beiträge müssen abgegrenzt werden. Der Umsatz, der nach dieser Abgrenzung tatsächlich noch auf das betreffende Geschäftsjahr entfällt, nennt sich entsprechend "verdient".

Versicherungsleistung Das, was der Versicherer im Schadenfall auszahlt. Manche Versicherer subsumieren darunter allerdings auch die von ihnen vorsorglich gebildeten Rückstellungen für künftige Schadenzahlungen. Das hört sich nach "mehr" an.

Versicherungstechnisches
Geschäft (v.t. )
Hierbei handelt es sich um das operative Ergebnis. Das ist der Ergebnissaldo von Einnahmen (Beiträge) und Aufwendungen (Versicherungsleistungen, Vorsorge für künftige Schäden, Verwaltungs- und Abschlusskosten) des Versicherungsgeschäfts.
Nur bei den Lebens- und Krankenversicherern werden richtigerweise die Erträge und Aufwendungen aus der Anlage der Beitragsgelder an den Kapitalmärkten mit in die v.t.-Rechnung einbezogen. Bei Schaden- und Unfallversicherern zählen die Kapitalerträge und -aufwendungen zum nicht-v.t. bzw. allgemeinen Geschäft. Das ist sachlich nicht zu rechtfertigen, weil sich die Anlage der Gelder zwangsläufig aus der Vorauszahlung der Versicherungsbeiträge ergibt. Vorsicht: Wenn ein Versicherer von technischen Verlusten, Versicherungs- verlusten oder Roten Zahlen z.B. in der Autoversicherung spricht, meint er in der Regel das reine Versicherungs- geschäft ohne die Gewinne aus der Anlage der Autoversicherungsbeiträge. Versicherungssparten, die häufig solche "Verluste" ausweisen, sind oft gute Zinsträger, d.h. sie können lange am Kapitalmarkt angelegt werden, weil die Abwicklung von Schäden sich hinzieht. Das ist in der Auto-Haftpflichtversicherung nicht anders als in den meisten gewerblichen Versicherungen. 

Verwaltungskosten Darunter verstehen die Versicherer alle im Zusammenhang mit dem Betrieb einer Versicherung anfallenden Kosten, mit Ausnahme der Abschluss- kosten (siehe dort). Zum Beispiel: Kosten für Mitarbeiter und Büromaterial. Die Kosten für die Bearbeitung von Schäden wird hier nicht erfasst, sondern unter den Versicherungsleistungen. 

Abschlusskosten Darunter fallen hauptsächlich die Provisionen für Vertreter, aber auch die Kosten der Antragsbearbeitung. Gesellschaften, die ohne Vertreter verkaufen, haben in der Regel sehr günstige Abschlusskosten. Doch Vorsicht: Sie haben dafür oft einen höheren Werbeaufwand. Dieser fließt jedoch in die allgemeinen Verwaltungskosten ein. Zum Vergleich müssten beide Positionen zusammen genommen werden. 

Versicherungstechnische
Rückstellungen
Sämtliche Rückstellungen (Passivseite), die ein Versicherer benötigt, um seinen Verpflichtungen gegenüber den Kunden nachzukommen. Insbesondere: die Deckungs- rückstellung in der Lebensversicherung. Dort wird das Geld für die Kunden angesammelt und verzinst. Ähnlich funktioniert in der Krankenversicherung die Alterungsrückstellung. Sie leistet die Vorsorge für das mit zunehmendem Alter steigende Krankheitsrisiko. In der Schadenversicherung weist die Rückstellung für noch nicht abgewickelte Versicherungsfälle aus, wie viel der Versicherer noch für Schäden zu bezahlen hat, die bereits eingetreten sind (Im Verhältnis zu den Beiträgen ergibt sich daraus die Schadenquote). Die Schwankungsrückstellung ist ein deutsches HGB- Phänomen. Sie gleicht über einen Zeitraum von 15 Jahren gute und schlechte Jahre in einer Versicherungssparte aus. In guten Zeiten muss reserviert werden, in schlechten wird aufgelöst. Nach den angelsächsischen Bilanzierungsrichtlinien IAS und US-GAAP fällt die Schwankungsrückstellung dem Eigenkapital zu.

Abwicklungsergebnis Ist für einen Schaden mehr zurückgestellt worden, als am Ende nötig war, dann entsteht ein Abwicklungsgewinn - umgekehrt ein Abwicklungsverlust. 

Bewertungsreserven
oder stille Reserven
Das ist die Differenz zwischen dem Wert der Kapitalanlagen zu Buchwerten (Bilanz) und zu Marktwerten. Früher wurden sie nicht gezeigt. Heute ist es Pflicht die Bewertungsreserven zumindest in einer Summe zu nennen (Anhang). Die Differenz ergibt sich aus dem Niederstwertprinzip. Das besagt, dass die Versicherer den niedrigsten Wert (vom Zeitpunkt der Anschaffung an) in der Bilanz ansetzen müssen. Steigt der tatsächliche Wert, entstehen die so genannten Stillen Reserven, auch Bewertungsreserven genannt. Allerdings haben die Versicherer das Recht erhalten, vom Niederstwert-Prinzip abzuweichen, wenn die Kapitalanlage als langfristig angesehen wird.

Direktes Geschäft
und indirektes Geschäft
Das ist das "normale" Versicherungsgeschäft im Gegensatz zum "indirekten Geschäft". Letzteres ist nichts anderes als wenn ein Erst-Versicherer einen anderen Versicherer, beispielsweise aus dem Konzern, versichert. Im Grunde ist es also das Rückversicherungsgeschäft eines Erst-Versicherers.

Erst- und
Rückversicherung
Der Erst-Versicherer versichert Privatleute und Firmen., wie etwa die Victoria. Der Rück- versicherer, größter ist die Münchener Rück, versichert Erst-Versicherungs- gesellschaften. Rückversicherer sind so eine Art Großhändler in Sachen Versicherungsschutz. Ohne sie könnten Großrisiken, wie Naturkatastrophen, gar nicht versichert werden. Sie beteiligen sich weltweit an ähnlichen Risiken, um einen möglichst breiten Ausgleich zu erreichen. 

Direktversicherung Das sind die normalen Erst-Versicherer, die ohne Vertreter verkaufen, wie etwa die Cosmos. Es gibt nur noch wenige lupenreine Direktversicherer. Etliche, wie Huk, HDI, VHV, Hannoversche Leben, haben inzwischen Geschäftsstellen eingerichtet. Sie gelten üblicherweise jedoch trotzdem noch als Direktversicherer, da sie nach wie vor weitgehend auf Vertreter verzichten.

Rechnungszins Das ist die Verzinsung, auch Garantiezins genannt, mit der der Lebensversicherer die Sparbeiträge seiner Kunden mindestens verzinsen muss, um am Ende auf die von ihm garantierte Versicherungssumme zu kommen. Aktuell gilt ein Rechnungszins von 2,75% und ab 2007 nur noch 2,25%, in den Beständen der Versicherer befinden sich aber noch reichlich ältere Policen über 3,5% und 4%.

Rohüberschuss Das ist der gesamte in der Lebensversicherung zur Verteilung anstehende Gewinn. Er errechnet sich aus der Direktgutschrift plus der Zuführung zur Rückstellung für Beitragsrückerstattung plus dem Jahresüberschuss. 

Gewinnbeteiligung
oder Überschussbeteiligung
In der Lebensversicherung steht den Kunden eine Beteiligung am Gewinn zu: Laut Gesetz müssen es mindestens 90% der Netto-Kapitalerträge sein. Auch in der Krankenversicherung gibt es eine Beteiligung an den Überschüssen.